Aus Der Praxis

Gottesdienstentwurf  "Flucht und Hoffnung"

Gottesdienst in St. Marien – Maternitas
in Heiligensee am 25.06.2017

Zum Ablauf mit Liedervorschlägen

 

 

Begrüßung

Wir sind betroffen davon, dass so viele schutzsuchende Menschen bei uns ankommen oder zu uns kommen wollen. Sie fliehen vor Krieg und Terror, oder suchen einfach ein menschenwürdiges Leben in Frieden und Sicherheit. Manche von uns sind verunsichert oder verängstigt durch diese Ereignisse. Andere fühlen sich hilflos und überfordert. Wieder andere versuchen, tatkräftig zu helfen. Alle sind wir aber herausgefordert, die Ereignisse im Licht des Glaubens zu deuten. Vertrauen wir uns dem Erbarmen Gottes an, der in diesem Gottesdienst auf uns zukommt als unser Retter und Erlöser.

Kyrie

Tagesgebet

Barmherziger Gott,
so viele Menschen sind auf der Flucht vor Krieg und Terror.
Weite Wege und viele Gefahren nehmen sie auf sich,
um Frieden und Sicherheit zu finden.
Wir bitten dich: Begleite und schütze sie auf ihren Wegen.
Schenke ihnen offene Türen und offene Herzen und ermögliche dort,
wo sie ankommen, ein solidarisches Miteinander.
Behüte und stärke alle Menschen, die sich der Flüchtenden annehmen,
die ihnen helfen, hier eine neue Heimat zu finden, in der man wieder leben kann.
Lass uns in der Ankunft der Flüchtlinge Dein Kommen erkennen und hilf uns,
dementsprechend zu handeln.
Darum bitten wir Dich im Heiligen Geist durch Jesus Christus,
unseren Bruder und Herrn.
Amen.

Lesung (Deuteronomium 10,17-21)

Der Herr, euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr aller Herren. Er ist der große Gott, mächtig und Ehrfurcht gebietend, unparteiisch und unbestechlich. Er verhilft Witwen und Waisen zu ihrem Recht. Er liebt die Ausländer und gibt ihnen Nahrung und Kleidung. Auch ihr sollt die Ausländer lieben, denn ihr wart selbst einmal Ausländer in Ägypten. Ihr sollt den Herrn, euren Gott, achten, ihm dienen und ihn lieben. Schwört allein bei seinem Namen. Er ist euer Ruhm und euer Gott, der diese großen und Angst einflößenden Wunder tat, die ihr selbst miterlebt habt.

Evangelium (Lk 10,25-37)

Ein Mann, der sich im Gesetz Moses besonders gut auskannte, stand eines Tages auf, um Jesus mit folgender Frage auf die Probe zu stellen: »Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?« Jesus erwiderte: »Was steht darüber im Gesetz Moses? Was liest du dort?« Der Mann antwortete: »`Du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit deiner ganzen Kraft und all deinen Gedanken lieben. ́ Und: `Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. ́« »Richtig!«, bestätigte Jesus. »Tu das, und du wirst leben!« Der Mann wollte sich rechtfertigen; deshalb fragte er Jesus: »Und wer ist mein Nächster?« Jesus antwortete: »Ein Mann befand sich auf der Straße von Jerusalem nach Jericho, als er von Räubern überfallen wurde. Sie raubten ihm seine Kleider und sein Geld, verprügelten ihn und ließen ihn halb tot am Straßenrand liegen. Zufällig kam ein jüdischer Priester vorbei. Doch als er den Mann dort liegen sah, wechselte er auf die andere Straßenseite und ging vorüber. Dann kam ein Tempeldiener und sah ihn ebenfalls dort liegen; doch auch er ging auf der anderen Straßenseite vorüber. Schließlich näherte sich ein Samariter. Als er den Mann sah, empfand er tiefes Mitleid mit ihm. Er kniete sich neben ihn, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann hob er den Mann auf seinen eigenen Esel und brachte ihn zu einem Gasthaus, wo er ihn versorgte. Am nächsten Tag gab er dem Wirt zwei Denare und bat ihn, gut für den Mann zu sorgen. `Sollte das Geld nicht ausreichen ́, sagte er, `dann werde ich dir den Rest bezahlen, wenn ich das nächste Mal herkomme. ́ Wer von den dreien war nun deiner Meinung nach der Nächste für den Mann, der von Räubern überfallen wurde?«, fragte Jesus. Der Mann erwiderte: »Der, der Mitleid hatte und ihm half.« Jesus antwortete: »Ja. Nun geh und mach es genauso.«

Predigt

Statements von einem Geflüchteten und einem ehrenamtlichen Helfer.

Fürbitten

P. Gott des Erbarmens, du hast dein Volk begleitet auf dem Weg durch die Wüste und ins Exil. An dich wenden wir uns angesichts des Leids unzähliger Menschen, die ins Ungewisse aufbrechen, um vor Armut, Verfolgung und Gewalt zu entfliehen. Die hohen Flüchtlingszahlen machen uns Sorgen; aber was wiegen sie gegen den Schmerz derer, die alles Vertraute verlassen mussten, und Unsägliches durchgemacht haben. Du hast ein Herz für alle Menschen, du hast Ohren für ihre Wehklagen, du siehst auch ihr verborgenes Leid.
 
1.    Wir bitten dich für die Familien, die alle Ersparnisse dafür geben, damit ihre Söhne und ihre Töchter es einmal besser haben, damit sie dem Grauen des Krieges entkommen, damit sie ohne Angst leben können. Gott, höre ihre Gebete!
 
A.    Herr, erbarme dich 
 
2.    Wir bitten dich für die Frauen, die auf der Flucht Gewalt ausgesetzt sind und für die Männer, die ihre Würde verlieren, weil sie sich und andere nicht schützen können vor den Übergriffen der Schlepperbanden. Gott, höre ihre Gebete!
 
A.    Herr, erbarme dich
 
3.    Wir bitten dich für die vielen Kinder, die fliehen müssen. Sie haben oft viel mehr gesehen und erlebt, als ihre Kinderseelen verkraften, und wenn sie ihre Eltern verlieren, ist niemand da, der sie in den Arm nimmt. Gott, höre ihre Gebete!
 
A.    Herr, erbarme dich
 
4.    Gott, du weißt, es gibt viele, die helfen und Hoffnung schenken, auch hier bei uns, in unserer Kirche und Gemeinde. Gib ihnen Mut und Stärke, damit sie angesichts der Schwierigkeiten, mit denen sie oft zu kämpfen haben, nicht resignieren. Gott, höre ihre Gebete!
 
A.    Herr, erbarme dich
 
5.    Wecke Weisheit und Erbarmen in allen, die Verantwortung tragen für das Geschick der Flüchtlinge hier in Europa und in den anderen Kontinenten. Lass die Regierenden Gastfreundschaft beschließen und Regeln finden, die von Menschlichkeit und Hilfe geleitet sind. Und mach uns bereit, von dem, was wir haben, mit Fremden zu teilen. Gott, höre unsere Gebete! 

A.    Herr, erbarme dich

Hochgebet „Migration“

 

Präfation

Gott, wie gut ist es, hier versammelt zu sein, um dich durch unseren Herrn und Bruder Jesus Christus zu loben.
Die Geschichte deines Volkes ist eine Geschichte ständiger Migration und Flucht.
Immer wieder hast du dein Volk durch geisterfüllte Frauen und Männer in die Freiheit geführt.
Mehr noch: Um deine Sehnsucht nach Gemeinschaft mit den Menschen noch deutlicher werden zu lassen, hast du uns deinen einzigen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, geschenkt, der unser Bruder wurde, damit er den ewigen Kreislauf des Aufbrechens und Suchens beende
und uns den Weg zu einem erfüllten Leben mit dir weise.
Dafür loben wir dich jetzt in der Gemeinschaft der Kirche im Himmel und auf der Erde und singen voll Freude:

Sanktus

Ja, guter Gott, immer waren Menschen genötigt, ihre Heimat zu verlassen, um ihr Leben zu retten;
Menschen wurden von Menschen wie Ware behandelt, ausgebeutet, misshandelt und vertrieben:
Lot und seine Sippe flohen vor der Vernichtung;
Hagar floh mit ihrem Sohn in die Wüste;
Josef wurde von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft;
Elija und viele andere Propheten wurden politisch verfolgt,
misshandelt und mussten fliehen.
Dein Volk wurde ins Exil verschleppt
und durfte erst nach langer Zeit in die Heimat zurückkehren.
Das Verbindende in all diesem Leid und Unglück war deine liebende und sorgende Nähe gerade zu diesen Menschen.
Auch Jesus, dein Sohn, wurde in der Fremde geboren, musste mit den Eltern nach Ägypten fliehen und hatte keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen konnte.
So bitten wir dich, du guter Vater,
sende uns den Leben spendenden Geist,
damit er uns diese Gaben von Brot und Wein in den Leib † und das Blut Jesu Christi wandle.

Denn als Jesus spürte,
dass sich sein letzter Aufbruch näherte
und das leidvolle Ende bevorstand,
nahm er bei einem festlichen Mahl im Kreis der Seinen ein Stück Brot in die Hand,
lobte dich, den Geber alles Guten,
sprach darüber das Segensgebet,
brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten:

NEHMT UND ESST ALLE DAVON:
DAS IST MEIN LEIB,
DER FÜR EUCH HINGEGEBEN WIRD.

Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte dir wiederum, reichte ihn seinen Jüngern und sprach:

NEHMT UND TRINKT ALLE DARAUS:
DAS IST DER KELCH
DES NEUEN UND EWIGEN BUNDES.
MEIN BLUT,
DAS FÜR EUCH UND FÜR ALLE VERGOSSEN WIRD
ZUR VERGEBUNG DER SÜNDEN.
TUT DIES ZU MEINEM GEDÄCHTNIS.

Geheimnis des Glaubens!

Akklamation

Darum guter Vater, danken wir dir, weil du uns die Worte und das Handeln Jesu, sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung  als klare Wegweiser für unseren Weg zu dir geschenkt hast.

In diesen heiligen Gaben schenkst du uns Hoffnung und Zuversicht, vor allem all jenen, die heute heimatlos sind, den Vertriebenen und Ausgebeuteten, die wegen Krieg und schlechter Lebensbedingungen
zu Land oder über das Meer unter Lebensgefahr auf der Flucht sind.

Hilf deiner Kirche unter der Leitung von Papst Franziskus, unseres Bischofs NN und der Gemeinschaft der Bischöfe die Wege einzuschlagen, die deine Solidarität
mit den vom Unglück geplagten Menschen spürbar und erfahrbar machen.

In Gemeinschaft mit allen Heiligen,
mit Maria und Josef, den Aposteln und Märtyrern, die ihr Schicksal angenommen haben und mit dir im Herzen unterwegs waren, wollen wir uns deinem Heilsplan anschließen, dich zu den Menschen tragen, ihren Hunger und Durst stillen und ihre Wunden heilen, um Zeichen der Hoffnung zu setzen.

Richte du uns auf, wenn wir auf unserem Weg zu erliegen drohen und müde werden.
Lass uns einmal mit all den Opfern
von Gewalt und Tod,
von Migration und Vertreibung
und mit unseren Lieben in Gemeinschaft mit dir für immer verbunden sein.
Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn.

© P. Karl Jansen SVD

Doxologie

 

Zur Besinnung

Wenn Gott uns heimführt aus den Tagen der Wanderschaft,
uns heimbringt aus der Dämmerung in sein beglückendes Licht,
das wird ein Fest sein!
Da wird unser Staunen von neuem beginnen.
Wir werden Lieder singen, Lieder,
die Welt und Geschichte umfassen.
Wir werden singen, tanzen und fröhlich sein:
denn Er führt uns heim:
aus dem Hasten in den Frieden,
aus der Armut in die Fülle.
Das wird ein Fest sein!
Den Raum unseres Lebens wird Er weiten
in alle Höhen und Tiefen,
in alle Längen und Breiten seines unermesslichen Hauses.
Keine Grenze zieht er uns mehr.
Wer liebt, wird ewig lieben!
Das wird ein Fest sein.
Es werden lachen nach langen Jahren der Armut,
die Hunger gelitten.
Es werden singen nach langen unfreien Nächten
die von Mächten Gequälten.
Es werden tanzen die Gerechten,
die auf Erden kämpften und litten für eine bessere Welt!
Das wird ein Fest sein!